Pressespiegel Deutschland
Deutsche Themen in der arabischen Presse
Arabischer Pressespiegel 07.08.09 bis 13.08.09
In dieser Woche sind zwei deutschlandbezogene Themen wieder aufgetaucht, die bereits eine Woche zuvor in der arabischen Presse behandelt worden waren: die rasante Vermehrung von Eintagsfliegen in einer bayrischen Stadt sowie das deutsch-irakische Archäologieabkommen. Ansonsten galt das Augenmerk einer Gruppe von Artikeln den Auswirkungen und Anzeichen der internationalen Wirtschaftskrise in Deutschland. Eine zweite Gruppe mag in Berichten gesehen werden, die sich mit skandalösen Vorgängen in der BRD beschäftigen. Hier wurden die Ermordung der Ägypterin Marwa El-Sherbini in einem Dresdner Gerichtssaal, der Fall eines katholischen Priesters, bei dem kinderpornographisches Material gefunden wurde, und die 22-jährige Verschleppung einer Entschädigungsklage durch ein Hamburger Gericht von arabischen Medien aufgegriffen. Den Rest der hier wiedergegebenen Meldungen macht eine Vielfalt an Gegenständen aus: Pläne einer deutschen Mondmission, der Bundestagswahlkampf, eine hungrige deutsche Honigbiene und das Kuriosum einer DDR-Flagge, die im Jahre 2009 im kanadischen Montreal weht… Lesen Sie im Folgenden die Nachrichten im Einzelnen:
Alriyadh beschäftigte sich am 8. August mit Problemen in der deutschen Justiz: „Entschädigungsfall liegt 22 Jahre bei deutschem Gericht“. Das deutsche Verfassungsgericht in Karlsruhe hätte ein lokales Gericht in Hamburg gerügt, weil es den Fall seit dieser langen Zeit prüfe. Dies stelle einen Verstoß gegen das Recht der Klägerin dar, wirksamen Rechtsschutz zu erhalten. Die Frau hätte 1987 die Entschädigungsklage gegen eine Bank angestrengt, weil diese im letzten Moment die Zusage für einen Kredit zurückgezogen hätte. Dies hätte dazu geführt, dass ein Stück Land aus ihrem Besitz versteigert worden sei. Die Karlsruher Richter hätten das Hamburger Gericht angewiesen, den Fall „rasch“ zu entscheiden.
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die Financial Times Deutschland zum Thema
Am 8. August widmete sich Shorouknews der Position des ägyptischen Ministers für juristische und parlamentarische Angelegenheiten, Mufid Shehab, zu Konsequenzen aus der in Dresden geschehenen Ermordung der Ägypterin Marwa El-Sherbini. Die Beziehungen zu Deutschland aufgrund dieses einzelnen Verbrechens abzubrechen, sei schwierig, meinte Shehab. Die Regierung, so der Minister, sei zudem auch nicht auf nachlässige Weise mit dem Fall umgegangen, bei dem Frau El-Sherbini von einem Extremisten ermordet wurde. Minister Shehab sagte am Rande eines Treffens mit Studenten in Alexandria, auch der deutschen Seite sei keine vernachlässigende Haltung vorzuwerfen. Er verwies darauf, wie bedacht Bundeskanzlerin Angela Merkel darauf gewesen sei, Präsident Hosni Mubarak ihr Beileid auszusprechen. Zudem hätte der deutsche Botschafter Bernd Erbel das Haus der Ermordeten in Alexandria aufgesucht. Shehab erklärte, er hätte Kenntnis darüber, dass zahlreiche Organisationen in Deutschland sich mit der Märtyrerin solidarisch erklärt hätten. Es hätte auch Forderungen gegeben, eine Straße nach Marwa El-Sherbini zu benennen und eine Statue von ihr aufzustellen.
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der Tagesspiegel zum Thema
Einem Aspekt des Krieges in Afghanistan widmete die Bahrainische Agentur BNA einen Artikel, den sie am 8. August veröffentlichte: „Deutschland setzt unbemannte Aufklärungsflugzeuge in Afghanistan ein“. Wie die Bundeswehrführung erklärte, setze man diese seit Anfang des laufenden Monats ein. Ziel sei, die deutschen Truppen in Afghanistan zu schützen. Auf der Internetseite der deutschen Armee hieß es, die in Militärkreisen als „KZO“ („Kleinfluggerät Zielortung“) bekannte Drohne könne dreieinhalb Stunden fliegen, und das über eine Entfernung von 100 Kilometern. Ihr „elektronisches Auge“ sei in der Lage, Bilder direkt an die Bodenkontrollstation zu senden. Auch das Magazin „Spiegel“ hatte bereits berichtet, dass die Bundeswehr die Fluggeräte seit einigen Tagen nutze, um in der Provinz Kundus Aufklärungsmissionen durchzuführen. Im nordafghanischen Kundus konzentrieren sich die deutschen Truppen.
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der Spiegel zum Thema
Einen eher skurrilen Artikel gab die Zeitung „El-Hiwar“ ihren Lesern am 8. August zur Lektüre: „Für die Kanadier wurde Deutschland nicht wiedervereinigt“. Im kanadischen Montreal flattere auch 20 Jahre nach der deutschen Vereinigung von Ost und West noch ganz offiziell die Fahne der „ehemaligen“ DDR - und zwar neben der Flagge der Bundesrepublik. An der ehemaligen Radrennstrecke im Olympiapark wehen noch 20 weitere Landesflaggen. So soll an die olympischen Spiele von 1976 in Montreal erinnert werden. Neben der Fahne der DDR, des „ehemaligen Ostdeutschland“, mit ihren schwarz-rot-goldenen Farben mit Hammer und Zirkel inmitten eines Kranzes aus Weizenähren, flattert auch die Flagge der ehemaligen Sowjetunion.
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die Offenbach-Post zum Thema
Die staatliche jemenitische Zeitung „14 October“ schrieb am 8. August: „Künstler Ayoub Tarish wird auf Staatskosten in Deutschland medizinisch behandelt“. Die Zeitung bezieht sich auf die Internetseite „26september.net“, welche aus informierten Kreisen erfahren habe, dass der jemenitische Staatspräsident Ali Abdallah Saleh die Anweisung gegeben habe, den großen Künstler nach Deutschland bringen zu lassen. Tarish befindet sich zur Zeit in einem jordanischen Krankenhaus, um sich wegen Schmerzen an der Wirbelsäule sowie der rechten Hand behandeln zu lassen. Diese „noble Geste seiner Exzellenz, des Staatspräsidenten“ geschehe aus Wertschätzung für das, was der Künstler Ayoub Tarish Zeit seines künstlerischen Lebens im Jemen geleistet habe. Ayoub Tarish ist ein in dem südarabischen Land berühmter Sänger, der außerdem die Musik der jemenitischen Nationalhymne komponiert hat.
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Am 12. August meldete die Zeitung Aleqt: „Deutscher Priester erhält Geldstrafe wegen Besitzes schändlicher Bilder von Kindern“. Das Amtsgricht im westdeutschen Völklingen hätte gegen den katholischen Priester die Strafe verhängt, drei Nettomonatsgehälter zu zahlen. Wie der SWR berichtete, hätte der Angeklagte einen entsprechenden Strafantrag der Staatsanwaltschaft akzeptiert. Diese hätte bereits seit Anfang letzten Jahres gegen des Mann ermittelt. Die genaue Höhe der Geldstrafe hätte das Gericht nicht bekannt gegeben.
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der SWR zum Thema (Audio)
Al-Quds berichtete am 12. August: „Deutschland strebt bis 2015 unbemannte Mondmission an“. Der Luft- und Raumfahrtkoordinator der Bundesregierung, Peter Hintze, hätte gegenüber dem ZDF über diesbezügliche Pläne gesprochen. Die Kosten bezifferte Hintze auf circa 1,5 Milliarden Euro. Über ein solches Projekt müsse allerdings die kommende Bundesregierung entscheiden. Al-Quds erinnert in ihrem Artikel an Wernher von Braun, den deutschen „Raketenexperten und ehemaligen Nazi“, welcher die Mondrakete der US-Amerikaner konstruiert hätte.
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Die Zeit zum Thema
Am 12. August meldete die Qatar News Agency: „Rückgang bei Flugreisen in Deutschland“. Diese Abnahme bei der Zahl der Reisebewegungen über deutsche Flughäfen in der ersten Jahreshälfte 2009 sei die größte seit 1951. Grund sei die internationale Wirtschaftskrise. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, wären in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres 42,6 Millionen Menschen über einen der deutschen Flughäfen gereist. Dies sei, verglichen mit dem gleichen Zeitraum des Vorjahres, ein Rückgang um etwa acht Prozent. Das Wiesbadener Amt bezifferte die Verringerung in absoluten Zahlen auf 3,6 Millionen Reisende weniger.
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der Spiegel zum Thema
Am 13. August berichtete Al-Akhbar über die deutsche Parteienlandschaft, die sich in Erwartung der im September stattfindenden Bundestagswahlen befindet: „5 Parteien treten gegeneinander an - Linke sind neues Element“. Das arabische Medium erinnert zunächst daran, dass am 13. August 1961 die Berliner Mauer errichtet wurde. Die Vereinigung Deutschlands im Jahre 1990 hätte dann, 29 Jahre später, „natürlich“ die politischen Karten in der Bundesrepublik neu gemischt - schon allein dadurch, dass die ehemalige ostdeutsche kommunistische Regierungspartei am „vereinigten“ politischen Leben teilgenommen hätte. Es folgen kurze Porträts der wichtigsten Parteien der BRD, beginnend mit der CDU. Diese 1945 gegründete Partei sei eine der ältesten in Deutschland, so Al-Akhbar. Das Blatt erinnert daran, dass die CDU mit Konrad Adenauer den ersten Bundeskanzler gestellt hätte. Auch Helmut Kohl als der Kanzler, der die Vereinigung erlebte, findet Erwähnung. Die Zwillingspartei CSU verbinde eine „historische“ Allianz mit der großen Schwesterpartei. Die Geschichte der SPD indessen gehe bis in das Jahr 1848 zurück, der Zeit der demokratischen Revolution. Die von 1933 bis 1945 verbotene SPD sei von Beginn an eine Vertreterin der ärmeren Schichten, der Arbeiter und der Gewerkschaften gewesen. Später aber sei sie vom marxistischen Denken abgerückt und hätte versucht, Marktwirtschaft und Sozialismus miteinander in Einklang zu bringen. Auch die kleineren Parteien werden in dem Artikel vorgestellt.
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die Tagesschau zum Thema
Auch Alqabas schreibt über die wirtschaftliche Lage Deutschlands im Angesicht der Wirtschaftskrise und titelt am 13. August: „Wirtschaftliche Rezession in Deutschland gestoppt - Wachstum nahe Null“. Eine Meinungsumfrage unter Wirtschaftsexperten hätte ergeben, dass diese mehrheitlich die Lage für weniger schlecht hielten, als dies in den Köpfen der Menschen festsitze. Eine weitere Umfrage habe ermittelt, dass eine Mehrheit der Deutschen bei der Überwindung der derzeitigen Wirtschaftskrise auf moderne, umweltfreundliche Technologien setze. 52% schließlich seien der Ansicht, Deutschland stehe, was den Fortschritt bei umweltreundlichen Technologien angeht, weltweit an der Spitze.
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der BDI zum Thema
Das libanesische Newsportal von Al-Manar brachte am 13. August einen Bericht über eine positive Wende in der wirtschaftlichen Lage: „Deutschland tritt schneller als erwartet aus Rezession heraus“. In der zweiten Jahreshälfte hätte die BRD unerwartet ein Wachstum von 0,3% verzeichnet. Deutschland hätte auch von einem Rückgang der Einfuhren im Verhältnis zu den Exporten profitiert. Vom Niveau vor der Krise sei man in Deutschland aber noch weit entfernt, so Al-Manar. Das Portal zitiert schließlich den Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer, mit der Warnung, die Überwindung der Krise brauche eine sehr lange Zeit. Erst dann werde man eine positive Auswirkung auf den Arbeitsmarkt spüren können.
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Destatis zum Thema
Die Newssite „Al-Motamar“ brachte am 13. August eine Agenturmeldung über Warnungen deutscher Imker: „Bienen in Deutschland hungern“. Die Tiere hätten in diesem Jahr nicht genügend Nahrung gefunden. Stefan Berg, Experte vom Fachzentrum Bienen im bayrischen Veitshöchheim, führte dies auf das verfrühte Ende der Blütezeit zurück. Zudem hätten die starken und lang dauernden Regenfälle in Deutschland die klebrigen Sekrete der Waldbäume abgewaschen, die eigentlich von der Biene als Futter gesammelt werden. „Deswegen gibt es dieses Jahr fast keinen Waldhonig in Deutschland“, sagte Berg. Er verwies ferner darauf, dass die Imker in Deutschland früh damit begonnen hätten, die Bienen zusätzlich mit Zucker zu füttern, weil das Nahrungsangebot nicht ausreichend gewesen wäre. Üblich ist die Zufütterung mit Zucker ab August, doch in diesem Jahr hätte die Bienenzüchter bereits im Juli damit begonnen. Dennoch hält der Bienenexperte die Warnungen der Imker, ohne Zufütterung würden zahlreiche Tiere wahrscheinlich verenden, für übertrieben. Schließlich seien ja die Imker diejenigen, die den Bienen ihre Vorräte aus den Waben wegnähmen.
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die Nürnberger Zeitung zum Thema
Am 13. August behandelte die saudi-arabische Zeitung „Al-Nadwah“ ein industriell-wirtschaftliches Thema: „Ziviler Flugzeugbau in Deutschland entwickelt sich trotz Wirtschaftskrise ordentlich“. Das Blatt bezieht sich auf Erklärungen des Luft- und Raumfahrtkoordinators im Bundeswirtschaftsministerium, Peter Hintze. Dieser sagte, der Sektor der Luft- und Raumfahrtindustrie in Deutschland sei trotz Wirtschaftskrise einigermaßen stabil. In 2008 hätte er Einnahmen von circa 22,7 Milliarden Euro verzeichnet. Davon seien 65 % in die Entwicklung der zivilen Flugzeugbauindustrie und in die Weltraumforschung gegangen. Die Branche zähle etwa 30.000 Beschäftigte, hieß es weiter.
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das Bundeswirtschaftsministerium zum Thema
Arabischer Pressespiegel 31.07.09 bis 06.08.09
Ein breites Spektrum deutschlandbezogener Themen war in diesem Zeitraum in arabischen Medien zu finden: von archäologischen Funden und Blindgängern aus dem zweiten Weltkrieg über eher Augenzwinkerndes bis hin zu „harten“, will sagen: kontroversen Angelegenheiten wie der Frage, ob die Schalker Fußballhymne den Islam beleidigt oder nicht. In diesem Pressespiegel werden bevorzugt arabische Zeitungen, Magazine und Nachrichtenportale berücksichtigt, d.h. Blogs und Foren wurden ausgelassen, ebenso wie die arabischen Ausgaben westlicher Medien wie z.B. der Deutschen Welle, der BBC oder auch Euronews. Thematisch wurden Artikel aufgenommen, die sich mit der Politik, Wirtschaft, Geschichte und dem Zeitgeschehen in Deutschland befassen. Der Sport und der Boulevard sind also kein Gegenstand dieses arabischen Pressespiegels. Doch, soviel sei an dieser Stelle verraten, auch deutsche Schönheitsköniginnen und der Starkicker Michael Ballack beschäftigen offenbar sowohl arabische Journalisten als auch ihr Publikum… Den Resumés folgen jeweils ein Link auf die arabische Quelle sowie, falls ermittelbar, ein Verweis auf einen Artikel in der deutschsprachigen Presse, der das gleiche Thema zum Gegenstand hat. Lesen Sie nun die zusammengefassten Meldungen im Einzelnen:
